Counter  

Letzte Aktualisierung

22.11.2017

Zahnräder-1
Bürgerverein Pfalzel e.V.

Hier bewegt sich was

Zahnräder-1
Neuer Pfalzel-Kalender mit örtlichen Terminen siehe Pfalzeler Seiten --------
Zurück
Startseite
Wir über uns
Mitteilungen des BV
Messwerte
Schriftverkehr : Bv-Behörden-Firmen
Presse - Echo
Bürgerverein - News
Genehmigung  TSW
Beschwerde - Telefone
Pfalzeler Seiten
Vereinssatzung drucken
Beitrittserklärung drucken
Kontakt
Andere Bürger-Initiativen
Impressum

Stellungnahme BUND

Stadtverwaltung Trier                                                             Bund für Umwelt und
-Ordnungsamt-                                                                       Naturschutz Deutschland
Hindenburgstraße 3                                                                            BUND
54290 Trier

8. Februar 2006


Genehmigungsantrag der Trierer Stahlwerk GmbH zur   Modernisierung und umwelttechnischen Sanierung des Stahlwerks in der Hafenstraße in Trier vom 30.09.2005

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach Durchsicht der bereitgestellten Unterlagen begrüßen wir die Absicht der TSW Trierer Stahlwerk GmbH die geplante Produktionsausweitung zu einer umfassenden Sanierung der umwelttechnischen Einrichtungen zu nutzen.

Nachfolgend teilen wir Ihnen aber auch unsere Bedenken zu dem geplanten Vorhaben mit und bitten um Berücksichtigung im weiteren Genehmigungsverfahren.

Angesichts der jüngst durch Messungen des Landesamtes für Umweltschutz, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG) festgestellten auffälligen Schadstoffbelastung (Blei, Cadmium, Dioxine und Furane) im Industriegebiet und seiner Umgebung ist ein besonderes Augenmerk auf die durch den Produktionsbetrieb entstehenden Luftschadstoffe zu richten.


Grundlage für die Ausbreitungsrechnung bzw. die Immissionsprognose der Firma proTerra waren Windrichtungs- und Windgeschindigkeitsmessungen der Wetterstation Trier-Petrisberg. Diese Wetterstation befindet sich auf einer Höhe von 270 m /NN oberhalb des Trierer Talkessels. Das Stahlwerk hingegen liegt auf einer Höhe von 130 m / NN im Trierer Talkessel. Die dortigen geländeklimatischen Verhältnisse sind durch häufige und langanhaltende Inversionswetterlagen, also austauscharme Wetterlagen gekennzeichnet, die sich deutlich von den Verhältnissen an der Wetterstation auf dem Petrisberg unterscheiden. Aus diesem Grunde wurde auch über lange Jahre hinweg eine zusätzliche Wetterstation in der Trierer Talstadt betrieben.

 Es ist deshalb zu befürchten, dass die für die Ausbreitungsrechnung verwendeten Winddaten deutlich von den tatsächlichen Verhältnissen am Standort des Stahlwerks abweichen. Insbesondere während der austauscharmen Wetterlagen ist mit einer Anreicherung von Schadstoffen in der Luft zu rechnen, die im Gutachten der Firma proTerra keine Berücksichtigung finden. Der Hinweis, dass Kaltluftströmungen aus dem östlich gelegenen Ruwertal vom verwendeten diagnostischem Windfeldmodell nicht reproduziert werden können, wird der tatsächlichen Gefährdungssituation durch Inversionslagen am Stahlwerkstandort nicht gerecht.

Wir halten es daher für unbedingt erforderlich, eine erneute Immissionsprognose unter Berücksichtigung der tatsächlichen geländeklimatischen Verhältnisse durchzuführen und aus den Ergebnissen ggf. entsprechende Konsequenzen für den zulässigen Schadstoffausstoþ zu ziehen.

Die Stadt Trier lässt zur Zeit eine umfassende stadtklimatische Untersuchung durchführen, die u.a. auch die Problematik der Inversionslagen aufgreift. Die Ergebnisse dieser Studie können vermutlich als Grundlage einer deutlich verbesserten Ausbreitungsrechnung verwendet werden.

Beunruhigend ist aus unserer Sicht die Tatsache, dass bereits heute, also vor der Erhöhung der Stahlproduktion die Deposition der polychlorierten Dibenzodioxine und ñfurane (PCDD/PCDF) an den beiden Messstandorten des LUWG den Zielwert der LAI von 4 pg/(m¾ d) deutlich überschreiten. Am Messpunkt im Stadtteil Ruwer wurde ein Wert von 5,31 pg/(m¾ d) festgestellt, an der Messstelle nahe der Schrottverwertung der Firma Steil sogar ein Wert von 15,4 pg/m¾ d, also nahezu das 4-fache des LAI-Zielwerts.

Die Auswirkungen der Produktionsausweitung auf diese PCDD/PCDF-Emissionen aus dem Stahlwerk erscheinen nach den Angaben des proTerra-Gutachtens widersprüchlich. In Abschnitt 3.7.2 (Emission von Luftschadstoffen) wird in Tabelle 7 als beantragter maximal zulässiger Emissionsmassenstrom ein Wert von 95,05 (g/h genannt. In Tabelle 8 ist von einem Wert von 47,5 (g/h nach Umsetzung der Erweiterungspläne die Rede.

In den Emissionsdatenblättern (Formular 5.1 und 5.2) werden als stündliche Massenströme 87 (g/h, als Jahresmassenstrom 0,679 g genannt.
Nach Tabelle 9 im Abschnitt 3.7.2 wiederum wird der jährliche Massenstrom mit 0,370 g angegeben und gegenüber dem Ist-Zustand von einer Zunahme um 109% gesprochen, also mehr als doppelt soviel wie gegenwärtig.

Auf der nachfolgenden Seite 16 steht dagegen, es handelt sich nur um eine rechnerische Zunahme, tatsächlich würden die Emissionen aufgrund des neuen Abgasreinigungs-systems zurückgehen. Wie hoch dieser Rückgang ausfällt, wird allerdings nicht gesagt.

Auf der Immissionsseite (Abschnitt 6.2.1.1) wiederum gibt das proTerra-Gutachten eine maximale Immissionszusatzbelastung von 66,41 % bei der PCDD/PCDF-Deposition an.

Aufgrund der außerordentlichen Gefahren für die menschliche Gesundheit, die von Dioxinen und Furanen ausgehen, bedarf es hier einer eindeutigen Klarstellung über die tatsächlich zu erwartenden Emissionen und Immissionen. Letztere auch unter Berücksichtigung der tatsächlichen geländeklimatischen Gegebenheiten.

Auch wenn das Stahlwerk nicht die Hauptquelle der aktuell gemessenen Belastung darstellen sollte, bedeutet die Produktionsausweitung vermutlich doch eine Erhöhung der bereits jetzt nicht akzeptablen Belastung.

Wir fordern daher, alle technischen Möglichkeiten zur Absenkung der PCDD/PCDF-Emissionen bei der Erweiterung des Stahlwerks auszunutzen und dafür Sorge zu tragen, dass die Emissionen auch an anderer Stelle deutlich reduziert werden, um langfristig gesundheitliche Schäden bei Anwohnern und Beschäftigten des Industriegebiets angesichts der extrem hohen Toxizität dieser Stoffgruppe zu verhindern.

Als weiteres Problem sehen wir die erhöhten Staubemissionen bei der Schlackever-arbeitung. Da der Schlackeanfall von derzeit 50.000 m„ pro Jahr durch die Erweiterung auf mindestens 80.000 m„ pro Jahr steigen wird, ist mit deutlich höheren Staubemis-sionen zu rechnen. Aufgrund der bestehenden Vorbelastung des Industriegebiets (siehe Messwerte des LUWG) halten wir es im Sinne der Gesundheits- und Umweltvorsorge für dringend geboten, die Brecheranlage einzuhausen und mit einer Staubabsaugung auszustatten. Des weiteren halten wir in diesem Zusammenhang eine automatisch gesteuerte Berieselungsanlage für das Schlackenlager erforderlich, um auch dort die Emissionen schwermetallhaltiger Stäube zu reduzieren.

Auch wenn die Brecheranlage und die Schlackeaufbereitung nicht Gegenstand dieses Genehmigungsverfahrens sind, so sind nach der aktuellen Gesetzeslage auch die Summen- und Wechselwirkungen mit bereits bestehenden Belastungen zu überprüfen.

Im Gutachten der Firma proTerra wird unseres Erachtens nicht ausreichend auf die Problematik der Lärm- und Staubentwicklung durch den steigenden Werksverkehr eingegangen. Die deutliche Produktionsausweitung erhöht die zu transportierenden Massenströme ganz erheblich, so dass auch in diesem Bereich mit deutlich erhöhten Emissionen zu rechnen ist. Hierzu fehlen im Gutachten Emissions- und Immissions-prognosen und ein Vergleich zwischen dem Ist-Zustand und dem Plan-Zustand und ggf. daraus abzuleitende Schutzmaßnahmen.

Unter Punkt 5.1 (Geologie/Boden/Hydrogeologie) des proTerra-Gutachtens ist davon die Rede, dass sich das Betriebsgelände im Bereich eines Kluftgrundwasserleiters mit gering bis sehr gering ergiebigen Grundwasservorkommen befindet. Richtig ist, dass das Betriebsgelände im Bereich eines ergiebigen Porengrundwasserleiters liegt, nämlich im Niederterrassenbereich der Mosel mit Sanden und Kiesen. Dem sollte im Gutachten entsprechend Rechnung getragen werden.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. R. Hierlmeier